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Entscheidungen treffen — aber wie?

Erstellt von Natalia Skreinig |

In der heutigen Zeit werden mit mehr denn je mit Entscheidungen konfrontiert — wie gehen wir damit um?

Es beginnt schon in der Früh im Kaffeehaus: Cappuccino oder Café Latte? Tall oder Venti? Mit Sojamilch? Für hier oder zum Mitnehmen? Apfeltasche dazu?

Die Qual der Wahl

Die Möglichkeiten scheinen heutzutage fast unbegrenzt – und man braucht kein Kaffee-Fan zu sein, um diese Flut an Entscheidungsmöglichkeiten hautnah zu erleben: ein Kurztrip in den nächsten Drogerieladen reicht. Man stelle sich das Zahnpasta-Regal vor – wir „dürfen“ zwischen zig verschiedensten Sorten auswählen, und oft erkennen wir außer den Markenname, ein paar Stichworten und den Preisunterschied oft kaum Verschiedenheiten. Bei den meisten Menschen greift da die Psychologie durch, die sagt, dass wir eher dazu tendieren, etwas zu wählen, das uns vertraut ist, und oftmals sogar die anderen Optionen ignorieren – eine Augen-zu-und-durch-Methode, wenn man so möchte (wer kann oder will schon aus dem Stehgreif mehr als 4 oder 5 der gefühlten 286 verschiedenen Zahnpasta-Marken kennen?), denn wir wollen einfach schnell unseren Einkauf erledigen und raus aus dem Laden, zack-zack-zack. Das geht in diesem Fall ja noch leicht – bei manchen Entscheidungen wird es allerdings komplizierter.

Nichts wird mehr bereut als eine verpasste Chance

Das sagt man zumindest so. Eine Studie behauptet sogar, dass diejenigen, die verpassten Chancen nachtrauern, schlechter altern als Menschen, die den vergebenen Möglichkeiten nicht weiter beachten. Bis man lernt, „verpasste Chancen“ weniger zu gewichten, kann der Druck beim Treffen der „richtigen“ Entscheidung durchaus groß sein. Wir wollen alle ein möglichst schönes und erfülltes Leben haben, und dabei nirgends zu kurz kommen – wenn ich zum Beispiel ein neues Smartphone kaufe, dann „verzichte“ ich ja irgendwie auf alle anderen Smartphones, die aus irgendeinem Grund für mich vielleicht „besser“ wären. In diesem Fall hängt dieser Gedanke mit Sicherheit auch mit dem Preis des Geräts zusammen: wenn ich um 4€ einen Kaffee erwische, der mir nicht schmeckt, bin ich wahrscheinlicher weniger aufgeregt als wenn ich um 900€+ ein Handy kaufe, das mir dann nicht gefällt.

Hier können wir entweder wieder das Vertraute wählen („mein letztes Handy war ein iPhone und es hat mir gefallen, mein neues Handy wird also wieder eines“), oder wir müssen schon im Vorhinein recherchieren und uns schlau machen. Unter Druck und schlecht informiert trifft man meist keine guten Entscheidungen, und hier dürfen wir uns ja Zeit lassen – es geht hier „nur“ um unsere Zeit (und um unser Geld). Und im schlimmsten Fall kommt man mit einem Smartphone heim, womit man nichts anfangen kann – da hat man aber trotzdem die Möglichkeit, ihn zurückzubringen und einen anderen zu kaufen. In anderen Lebenssituationen ist der Stresspegel oft deutlich höher, sowie wenn sich zum Beispiel die Entscheidung um die Karriere dreht.

Kopf, Bauch und Herz einschalten

Beim Entscheiden spielt Bauchgefühl eine große Rolle – doch bevor man eine Entscheidung trifft, sollte man sich objektive Informationen holen. Bin ich gerade an einem langweiligen Tag im Büro, wo ich zum gefühlt tausendsten Mal die gleichen Aufgaben erledigen muss, kann es verlockend klingen, alles in die Luft zu werfen und sofort zu kündigen – schließlich will man ja einen Job haben, wo man sich wohl fühlt, und unser Bedürfnis nach Instant-Belohnungen ist groß! Ob diese oder jene Berufswahl längerfristig besser für mich sein wird, und ob ich sofort kündige oder lieber erst, wenn ich was Neues in Aussicht habe, sollte man alles lieber nicht mit der Augen-zu-und-durch-Methode entscheiden.

Benjamin Franklin schwor schon im 18. Jahrhundert auf eine (sehr explizite) Form von Pro-und-Contra-Listen, doch es gibt aber andere gute Möglichkeiten, um effektive Entscheidungen zu treffen:

  1. Setze dir eine Deadline. Finde heraus, was du wirklich willst, und suche ein für dich realistisches Ziel, um es umzusetzen. Manchmal reichen hierfür auch schon ein oder zwei Wochen.
  2. Informiere dich im Vorhinein so gut wie du kannst. Brainstorming und etwas Recherche sind angesagt: Erschaff‘ dir einen Überblick über Aufforderungen, Möglichkeiten und Alternativen, damit du dich später vor bösen Überraschungen schützen kannst!
  3. Nimm‘ eine kurze Auszeit. Vermeide externe Stör- und Stressfaktoren. Nutze diese Zeit, um in dich zu gehen und herauszufinden, was dir wichtig ist. Wenn du in der Ruhe deine Prioritäten aussortierst kannst du vermeiden, „nur“ auf akuten Stress zu reagieren.
  4. Nutze das 10-10-10 Modell. Stelle dir frei nach Suzy Welchs „Mein Entscheidungskompass“ die Frage: Welche Auswirkungen hat meine Entscheidung auf die verschiedenen Aspekte meines Lebens in 10 Tagen, in 10 Monaten, und in 10 Jahren?
  5. Schreibe die für dich wichtigsten Für- und Wieder-Punkte auf. Du musst es keinesfalls so ausführlich machen wie in der Version von Ben Franklin: drei bis vier für dich wichtige Punkte reichen. So erschaffst du dir einen nützlichen Überblick über das, was dir am wichtigsten ist!
  6. Versuche, die Situation aus einem anderen Blickwinkel zu sehen. Stell‘ dir vor, es kommt ein ganz lieber Mensch zu dir und bittet dich um Rat. Versuche dabei deine Vermutungen, Ängste und Meinungen „auszuschalten“ – was würdest du ihm dann empfehlen?
  7. Sei bereit, Kompromisse einzugehen. Oft besser, ein Kompromiss einzugehen anstatt auf eine „perfekte“ Situation zu warten, die vielleicht gar nie kommen wird – zum Beispiel lieber eine Zeit lang arbeitssuchend zu sein und weniger Geld zur Verfügung haben, dafür aber mehr Zeit, um sich auf den nächsten Job vorzubereiten.

Diese Punkte helfen dir, dich mit den Sachen auseinanderzusetzen, die dir wirklich wichtig sind, und diese auch innerlich für dich zu werten. So wirst du auch schwierigere Entscheidungen bewusst und durchdacht binnen kurzer – aber nicht zu kurzer – Zeit treffen können.

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