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Immer Bedarf an Technikern

Gerhard Steiner mit weiteren Experten bei der Themendiskussion mit der Kleinen Zeitung.

Zu den Personen

Markus Dielacher, CTO der BDI – BioEnergy International AG mit Sitz in Grambach bei Graz,
bdi-bioenergy.com

Gerhard Steiner, Gesellschafter bei der  Personalberatung und -vermittlung Joham & Partner,
www.johampartner.at

Hansjörg Tutner, Global Director Human Resources bei Magna Steyr,
www.magna.com

Andreas Wimmer, Geschäftsführer und wissenschaftlicher Leiter,
LEC GmbH Large Engines Competence Center,
www.lec.at

Vier lachende Männer im Anzug hinter einem weiß glänzenden Schreibtisch mit integriertem Bildschirm. Im Hintergrund blaue, glänzende Grafik an einer weißen Wand. Links ein großes Fenster

Wie viele Mitarbeiter suchen Sie derzeit?

ANDREAS WIMMER: Wir sind zumeist im höher qualifizierten Bereich unterwegs und haben gerade die Personalaufbauphase hinter uns. In einem Jahr sind wir um etwa 40 Mitarbeiter gewachsen, aber es gibt noch immer offene Stellen – primär im wissenschaftlichen Bereich und für Dissertationen.

MARKUS DIELACHER: Bei dieser Unternehmensgröße hat man immer einen Bedarf an Technikern. Derzeit suchen wir im Bereich Elektrotechnik und Verfahrenstechnik, da ist es noch schwieriger, jemanden zu bekommen. Es gibt mehr Nachfrage als Angebot.

HANSJÖRG TUTNER: Tagesaktuell hat Magna in Österreich 85 offene Positionen ausgeschrieben, davon zu 90 Prozent Jobs mit technischem Bezug – von der Lehrlingssuche bis zum Universitätsabsolventen und Topmanager. Mit Ende 2016 wird es noch interessanter, weil wir den Standort Graz bis 2018 um bis zu 3000 Leute aufstocken werden.

Wie viele davon werden Zeitarbeiter sein?

TUTNER: In den letzten beiden Jahren haben wir unsere Philosophie zum Thema geändert. Zeitarbeit hat uns gute Dienste geleistet und dabei geholfen, bestehende Schwankungen in der Automobilindustrie auszugleichen. Der Gesetzgeber hat Zeitarbeit inzwischen aber in einem hohen Maß unattraktiv gemacht. Wir werden 90 Prozent der Neuaufzunehmenden von Anfang an in ein fixes Dienstverhältnis stellen.
Wir werden 90 Prozent der Neuaufzunehmenden in ein fixes Dienstverhältnis stellen. Nur 10 Prozent werden Zeitarbeiter sein. Hansjörg Tutner, Magna Steyr

GERHARD STEINER: Wir suchen in allen Bereichen Techniker. In den letzten zehn Jahren hat sich die Suche allerdings sehr verändertWir zahlen viel Geld an Portale, dass wir uns Lebensläufe anschauen dürfen, hegen und pflegen unsere Techniker, kennen sie meist schon lange. Wir haben eine eigene Social-Media-Mitarbeiterin angestellt. Ohne das wird es künftig nicht mehr gehen.

In welchem Maß reagieren Bewerber aus den Nachbarländern, wenn Sie offene Stellen über soziale Netzwerke ankündigen?

STEINER: Wir haben viele Bewerber aus Slowenien. Das ist nicht mehr nur auf die Grenzen bezogen, egal ob es Twitter, LinkedIn oder Facebook betrifft.

Sind Sie zufrieden mit dem Bildungsniveau der weiblichen Bewerber aus diesen Ländern?

DIELACHER: Sehr, vor allem in den Grundlagen sind sie gut. Wenn es in die Anwendung geht, brauchen sie etwas Zeit, aber sie haben ausgezeichnete Basics.
Im Bereich Verfahrenstechnik ist es schwierig, Mitarbeiter zu bekommen. Es gibt mehr Nachfrage als Angebot.Markus Dielacher, BDI

Setzen Sie das Beherrschen der deutschen Sprache voraus?

STEINER: Wir raten den Leuten, dass sie sich bemühen sollten, Deutsch zu sprechen. Das ist eine soziale Sache – in den Pausen kann man sich nicht richtig integrieren, wenn man die Sprache nicht beherrscht. Irgendwann zieht sich der Mitarbeiter zurück, verliert die Freude und verlässt früher oder später das Unternehmen.
TUTNER: Wir haben derzeit rund 500 Slowenen am Standort Graz beschäftigt, teilweise mit beeindruckendem Bildungsniveau. Sie integrieren sich ausgezeichnet und auch wenn die Sprachkenntnisse nicht vorhanden sind, ist die Bereitschaft, die Sprache zu lernen, enorm hoch. Das wird in Zukunft auch eine Stoßrichtung sein – ein wichtiger Arbeitsmarkt für Magna.

Passiert Bewerbung heute nur noch digital oder gibt es noch die gute alte Bewerbungsmappe?

TUTNER: Digital ist Standard. Vielleicht fühlen sich noch die Eltern bemüßigt, für den Junior etwas auf Papier zu schreiben, sonst läuft alles digital. Man muss nur aufpassen, dass man nicht die 30-MB-Bewerbung schickt, sondern alles in ein fesches PDF bringt.
WIMMER: In der Chronologie der Lebensläufe gibt es oft Lücken und keine ausreichenden Beweggründe dazu. Das macht es beim Bewerbungsgespräch schwierig.
Es gibt noch immer offene Stellen bei uns – primär im wissenschaftlichen Bereich und für Dissertationen.Andreas Wimmer, LEC

Ist Individualität bei der Bewerbung gar nicht gefragt?

TUTNER: Die Bewerbungen werden immer professioneller. Wenn sich heute jemand mit dem Thema beschäftigt, dann fragt er Dr. Google und hat die beste Auskunftssituation. Bei uns hat man die Möglichkeit auf LinkedIn oder Xing, die Daten hochzuladen - und das ist dann schon die  Bewerbung. Es wird immer umfangreicher in der Beschreibung, immer detaillierter. Eine gute Bewerbung macht schon etwas aus.
Die Mitarbeitersuche hat sich verändert. Heute zahlen wir dafür, dass wir uns Lebensläufe in Portalen anschauen dürfen.Gerhard Steiner, Joham & Partner

Was erwarten sich die Bewerber heute von Ihrem Unternehmen?

TUTNER: Das lineare Durcharbeiten in einem Job - ist es nicht, was heute gesucht wird. Vielmehr interessiert die Leute, welche Entwickungsmöglichkeiten es gibt, was es  für Weiterbildungen gibt, ob man sich eine Auszeit nehmen kann, um eine zusätzliche Ausbildung oder eine Weltreise  zu machen, auch um etwa einen Verwandten zu pflegen, dem es nicht gut geht. Wenn man da als Unternehmen nicht die richtigen Antworten hat, ist man in der Attraktivität der Artbeitgeber zweiter Sieger. Zum Stichwort Arbeitszeitgesetzgebung: das ist nicht mehr der Zeit entsprechend. Man muss es ganzheitlich sehen, eine komplexe Antwort auf das Individuelle-Gestalten-Wollen des Mitarbeiters haben.

DIELACHER: Das Thema Work-Life-Balance spielt eine immer größere Rolle. Man muss das Unternehmen gut präsentieren, damit man heute gute Leute bekommt.

Durch das Gespräch führte Birgit Pichler,
Redakteurin Kleine Zeitung.

Zur Verfügung gestellt von der Kleinen Zeitung


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